Inselhopping

Verfasst am

Reisterassen in Tegalalang

Reisterassen in Tegalalang

Entspanntes Arbeiten in Sidemen

Entspanntes Arbeiten in Sidemen

Nach einigen Tagen zieht es uns weiter. Ein Privatfahrer fährt uns zu wunderschönen Reisterrassen, einigen Tempeln und setzt uns dann in Sidemen ab, einer kleinen Ansammlung von Häusern im gritzegrünen Hügelland, eingerahmt von Palmen, einem reißenden Fluss, den obligatorischen Reisterrassen und dem Gunung Agung, der auch allen Nicht-Bali-Kennern durch seinen Ausbruch im letzten November ein Begriff sein sollte. Wir befinden uns nur einige Kilometer außerhalb der 10-km-Sperrzone, aus der viele Zehntausend Menschen evakuiert wurden. Bei unserer Fahrt passieren wir ihre provisorischen Zeltstädte.

Nach zwei Tagen im Infinity-Pool in dieser malerischen Umgebung kommen wir wieder ans Meer nach Amed in Ostbali. Die Unterkunft wurde uns von einem anderen Pärchen mit Baby empfohlen, die wir in Ubud in einem Café getroffen haben. Tatsächlich fanden es die drei in den „Melasti Beach Bungalows Amed“ so heimelig, dass sie dahin zurück kehrten und zufällig auch da waren, als wir in Amed aus dem Auto stiegen. Die Freude war groß und so verbrachten wir in diesem sehr internationalen Homestay (Inhaberin Amerikanerin, ihr Mann Balinese, das andere Pärchen Schwedisch-Französisch) ein paar schöne Tage.
Wer noch zweifelt, ob man mit Baby reisen kann und sollte, dem sei gesagt, dass es wohl kein geeigneteres Ziel als Bali gibt. Jeder (!) liebt Babys. Nicht nur Frauen, sondern auch pubertierende Jungs, alte Männer und harte Burschen im mittleren Alter. Alle schneiden Grimassen, blödeln herum und reißen einem Louis förmlich aus den Armen. Wenn er gut gelaunt und ausgeschlafen ist, macht ihm das auch ziemlich viel Spaß. Mittlerweile hat er bestimmt ein Dutzend Restaurantküchen von innen gesehen. Denn ab und an kommt es vor, dass eine empathische Bedienung uns ein entspanntes Essen ermöglicht, wenn sie das Kind kurz nach dem Servieren der Speisen auf den Arm nimmt und bespaßt.
Wir gehen mit dem anderen Pärchen wandern, sitzen mit einem eiskalten Bintang auf der Veranda und genießen unser Abendessen bei Meeresrauschen unter dem Sternenhimmel, während die beiden Babys von der Köchin und dem Bruder des Hausherren vorzüglich unterhalten werden.

Spielkamerad für Louis im Homestay in Amed

Spielkamerad für Louis im Homestay in Amed

Schwarzer Sand am Schnorchelstrand von Amed

Schwarzer Sand am Schnorchelstrand von Amed

Es gibt keinen Steg zum Anlegen, daher schaffen die Träger das Gepäck auf die Fähre und man selber watet ein paar Schritte durchs Wasser auf das Boot.

Es gibt keinen Steg zum Anlegen, daher schaffen die Träger das Gepäck auf die Fähre und man selber watet ein paar Schritte durchs Wasser auf das Boot.

Ich entschließe mich nach zehn Jahren Abstinenz mal wieder einen Tauchgang zu machen. Auf der Ladefläche eines Pickups fahre ich mit der französischen Tauchlehrerin eine halbe Stunde nach Tulamben zum USAT Liberty Wrack. Das torpedierte Versorgungsschiff wurde von anderen Schiffen einst noch bis an den Strand gezogen, rutschte dann aber durch den Ausbruch des Agung 1963 (man merkt, auch hier sind wir nah am Vulkan) wieder zurück ins Meer, wo es bis heute liegt.
Die Wiederholung der wichtigsten Tauchregeln, -Zeichen und -Verhaltensweisen klären wir beim warmen Fahrtwind auf dem Weg. Dann Ausrüstung anlegen, ein paar Meter über Kiesel ins warme Wasser steigen und zwei Minuten später sind wir schon in 5m Tiefe auf dem Sandboden und überprüfen mit einigen Tests mein Können. Alles ist gut und dann beginnt der unfassbar schöne Tauchgang am Wrack entlang, das bis 30m Tiefe abfallend auf dem Meeresboden verteilt ist.
Korallenbewachsene Steilwände, Löcher, Luken, verwinkelte Schächte, durch die die Sonnenstrahlen in der Tiefe leuchtend hindurchdringen und die farbenfrohen Fischschwärme noch virtuoser aussehen lassen. Die Bandbreite an Farben ist kaum zu überbieten – genauso wenig, wie die Diversität der Wrackbewohner: Anemonenfische, Barsche, Barracudas, Stachelrochen und metergroße Meeresschildkröten. So schade das Nichtvorhandensein fotografischer Evidenz ist, genieße ich doch das bewusste Wahrnehmen, das Abspeichern eines Momentes im Kopf. Nur ich, das monotone Geräusch des Atemreglers, die Abgeschiedenheit in der Unterwasserwelt, die absolute Ruhe und die Irrelevanz von Zeit in diesem Makrokosmos. Lediglich die begrenzte Atemluft in der Pressluftflasche führt dazu, dass ich nach knapp einer Stunde mit meiner Privattauchlehrerin (durch die Schreckensmeldungen über den Vulkanausbruch gibt es hier kaum mehr Touristen) wieder auftauche. Die Welt hat uns wieder.

Ausblick vom Tauchboot auf Gili Trawangan

Ausblick vom Tauchboot auf Gili Trawangan

Die drei Gili-Inseln bei Lombok sind nur jeweils einige Kilometer lang, werten aber mit völlig unterschiedlichem Insel-Leben auf. Gili Trawangan ist die Partyinsel mit lautem Goatrance, feierwütigen Menschen und Magic Mushrooms. Gili Meno ist sehr ruhig mit wenig Infrastruktur. Und Gili Air bietet viele Möglichkeiten, hat aber auch ruhige Ecken und leere Strände. Auf dieser Insel verbringen wir einige Tage und feiern die Sarah-Louis-Doppelgeburtstagsreihe. Damit wir auch ab und an etwas Zeit für uns haben, geht Sarah einige Male zum Yoga, ich mache nochmal einen Tauchgang, wo ich dieses Mal ein paar große Riffhaie am „Shark Point“-Riff sichten kann.
Gili Air lässt sich gemütlich spazierend in anderthalb Stunden umrunden. Man passiert zahllose Bars und Restaurants, Schnorchelspots, Schaukeln im flachen Wasser und menschenleere Strände. Wenn Louis im Sand ist, flitzt er total euphorisch krabbelnd umher, kann sich aber auch eine Viertelstunde damit aufhalten ein kleines Blättchen in Einzelteile zu zerrupfen. Diesen Anblick zu genießen, während wir bei dieser Hitze die Füße im kühlen Sand vergraben, lässt uns dankbar reflektieren, wie gut wir es haben und welches Privileg es ist dem Deutschen Februarschmuddelwetter jetzt entkommen zu können. Und spätestens wenn wir mit schlafendem Louis in der Babytrage an der sanften Brandung entlang spazieren und den Sonnenuntergang hinter dem entfernten Bali genießen, wissen wir, dass wir etwas richtig gemacht haben.

Tamarind Beach auf Nusa Lembongan

Tamarind Beach auf Nusa Lembongan

Der nächste Halt unseres Indonesien-Inselhoppings ist Nusa Lembongan. Die Überfahrt war anstrengend, weil wir teilweise eine halbe Stunde in der prallen Sonne am Strand warten müssen, bis wir auf ein anderes Boot zur Weiterfahrt verladen werden. Doch als wir dann endlich richtig unterwegs sind, schläft Louis auf meinem Arm zum lauten Brummen der Motoren, dem ruhigen Geschaukel und dem kühlenden Fahrtwind selig ein.
Auf der Insel gibt es abgesehen von einigen Transportern, die Touristen zu ihren Unterkünften bringen, und den allgegenwärtigen Motorrollen keine Autos. Bei unserer ersten Erkundungstour entdecken wir, dass es Golfcars zu leihen gibt und ergreifen die Gelegenheit beim Schopfe. Denn obwohl so ein Motorroller total praktisch und günstig zu leihen ist und die Einheimischen natürlich auch mit fünf Personen beladen damit herumfahren, haben wir das aus Sicherheitsgründen nicht gemacht. Das Golfcar war ein super Kompromiss und so fahren wir mit unserem kleinen Elektroauto über die ganze Insel und erkunden sowohl die populären als auch die abgelegenen Strände. Louis krabbelt im Sand immer wie wild darauf los und andere Kinder scheinen besonders interessant für ihn zu sein. Ein Kind ist absolut ein Türöffner für Kontakte, denn mit jedem kommt man schnell ins Gespräch und lernt nette Menschen kennen.


2 Kommentare zu diesem Artikel

Hinterlasse einen Kommentar zu Hartmut Manthei Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *