Nach Regen kommt immer Sonnenschein

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“Habt ihr euch den Urlaub so vorgestellt”, fragt Valentin die beiden in leuchtende Regenkleidung eingepackten Kinder, die hinter den abgestellten Rädern an der Bushaltestelle kauern und auf die vielbefahrene Straße schauen. Jeder vorbeirauschende Lkw verwandelt die Fahrbahn in eine Dusche für alle Wartenden. “Ja, genau so”, antwortet Louis zu meiner Überraschung. Ich bin erstaunt, wie gut sie bisher mit allen unvorhergesehenen Umständen zurecht kommen, und das meist ohne Murren. Die rund 18-stündige Anreise, der Jetlag, die lange Suche nach unserem Fahrer, der uns zur ersten Unterkunft bringen will und am riesigen Flughafen nicht zu finden ist: Die Kinder lernen auf der Reise geduldig zu sein. So auch jetzt, wo uns der Regen am Weiterfahren hindert.

Jetzt heißt es erst einmal warten...

Jetzt heißt es erst einmal warten…

Auch ich denke über Valentins Frage nach und gebe Louis Recht. Ja, ich habe mich schon einmal darauf eingestellt, dass nicht immer alles ganz reibungslos funktioniert, aber eigentlich ist das auch in Ordnung und macht vielleicht gerade das Spannende am Reisen aus. Sonst wäre es am Ende noch langweilig und die Momente, an die man sich noch lange zurückerinnern kann, sind oft die Besonderen. Etwas gemeinsam zu meistern, eine Lösung zu finden und das Vertrauen zu haben, dass am Ende alles gut wird, ist etwas, was ich den Kindern sehr gerne mitgeben möchte.

Incheon

Incheon

Incheon, unsere erste Station, bietet einen langsamen Einstieg in eine fremde Welt. Wir wohnen mitten in Chinatown und schlendern durch große Parks und ein buntes Märchenviertel mit vielen Fotomotiven. Auch wir werden gelegentlich zum Fotomotiv, die Kinder posieren bisher noch gerne für Reisegruppen und fühlen sich wie kleine Filmstars. Fotos gehören hier fest zur Kultur. Wir testen einen unbetreuten Fotoladen, in dem man sich allerlei Verkleidung anziehen und dann gemeinsame Fotos schießen kann. Viele Straßen in unserem Vorort wirken jedoch sehr ausgestorben und wir sind oft die einzigen Touristen. Um halb neun noch etwas zu essen zu finden, ist nicht einfach.

Jayu-Park

Jayu-Park

Ganz schön bunt hier

Ganz schön bunt hier

Fairytale Village Incheon

Fairytale Village Incheon

Wie ein verlassener Freizeitpark

Wie ein verlassener Freizeitpark

Wir sitzen das Gewitter aus und vertreiben uns die Zeit mit ausgedachten Spielen, die keinen Platz in den vier Packtaschen einnehmen. Weiter geht es auf den holprigen Radwegen entlang der Schnellstraße. Zwar müssen wir viel zu oft an Fußgängerampeln halten, die doppelt so lange Rotphasen haben, wie die Straße, dennoch bin ich froh, dass es hier überall Fahrradstreifen gibt.

Auf geht's nach Seoul

Auf geht’s nach Seoul

Wir müssen die nächsten Tage erst noch unseren Rhythmus finden. Während das Männer-Team gefühlt nur auf der Überholspur unterwegs ist, tuckert mein Tandem eher im Sonntagsausflugs-Modus dahin und ich muss mit regelmäßigen Blicken auf die Pulsuhr beweisen, dass ich mich auch wirklich anstrenge. Ob das nun daran liegt, dass meine Oberschenkel nicht mit Valentins mithalten können oder daran, dass Elisa lieber vergnügt singt, als zu strampeln, ist eigentlich egal. Bei uns wird jeder Kilometer mit einem eigenen Soundtrack aus Kinderliedern untermalt – dafür fehlt manchmal der Tritt in die Pedale. Das Männerteam trainiert offensichtlich schon für die Tour de Korea, während wir im Elisa-Express noch am Sightseeing-Tempo festhalten. Ein bisschen Entschleunigung kann Valentin nur gut tun. Trotzdem tauschen wir am zweiten Tag die Räder. Mit Louis auf dem Tandem komme ich wesentlich schneller voran über den gut ausgebauten Fluss-Radweg und wir rollen ohne Probleme in Richtung Hauptstadt. Ein Glück, dass Valentin also doch nicht die komplette Streckenplanung umstellen muss. Die Radwege sind ab hier noch besser ausgebaut, es gibt saubere öffentliche Toiletten, Supermärkte direkt am Weg und diverse Fitnessparks, in denen Elisa im Hangeln gegen fitte Senioren antritt, zur Freude aller Beteiligten. Am Abend ist das schlechte Wetter endgültig überstanden und wir freuen uns auf die Weiterreise bei Sonnenschein. Morgen geht es für uns hinein ins große Gewusel von Seoul, und wir sind gespannt, welche Abenteuer die Stadt für uns bereithält.


Ein Kommentar zu diesem Artikel

  1. So viele neue Eindrücke! Das ist ein großes Abenteuer für euch vier.
    Alles Gute für die Weiterfahrt und vielen Dank dass ihr uns teilhaben lasst.

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