Die Faust der Hitze

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Manchmal so...

Manchmal so…

... manchmal so.

… manchmal so.

Mein Fahrradshirt klebt an mir, wie eine zweite Haut, die ich nie bestellt habe. Ich bin komplett durchgeschwitzt, 36 Grad im Schatten, Gegenwind. Ich liege im Halbschatten neben einem kleinen Tempel auf einer löcherigen Holzbank, die sich gefährlich durchbiegt. Hinter meiner Stirn hämmert es, stechender, pulsierender Schmerz. In der Luft eine toxische Melange aus buddhistischen Räucherkerzen und dem Smog der angrenzenden achtspurigen Schnellstraße. Die Arme schmierig von Sonnencreme, Schweiß, Pflanzenteilen und Staub. Es ist nicht schön. Mit geschlossenen Augen dämmere ich kurz weg, welch ein Segen.

Eine Stunde zuvor: Auf einem wunderschönen Bahntrassenradweg tut es einen Schlag an meinem Helm und kurz danach spüre ich einen stechenden Schmerz am Kopf. Helm abreißen, Vollbremsung, Schreien. Meine Sonnenbrille segelt dabei ab und fällt, mit filmreifer Dramaturgie, ins Schlingpflanzen-Schilf unter der Holzbrücke, die wir gerade überqueren. Eine kurze Recherche legt nahe, dass ich das Opfer der asiatischen Riesenhornisse geworden bin. Ich steige ins Flussbett hinab und finde die Brille tatsächlich wieder, der Preis sind zerschrammte Waden. Der schöne Radweg weicht einer Schnellstraße, die Sinne sind vernebelt vom Ziehen in der malträtierten Stirn und dem Gegenwind, der uns den Dreck von Baustellen, Kieswerken und hässlichen Hafenanlagen auf die Körper pustet.
Mittlerweile weiß ich, dass Stimmung und Situationen des fernreisenden Fahrrad-Abenteurers ihren eigenen Rhythmus haben und versuche Tiefpunkte gelassen zu nehmen – sie sind nur Durchgangsstationen.

Auch die letzten Tage in Busan waren mental anstrengend, besonders wegen des Fahrradtransports nach Taiwan im Flugzeug mit einer koreanischen Billigfluglinie: Fahrradkartons auftreiben an Feiertagen, schwierig. Am anderen Ende der Großstadt, 30 km entfernt vom Flughafen, zwei Kartons gefunden, aber zu klein für ein Tandem, was mache ich, Verpackungsservice am Flughafen, verpacken keine Fahrräder, Kartons zusammenbauen, schwierig, wo bekomme ich Klebeband, und wie dann überhaupt diese riesigen Kartons zum Flughafen, Taxi ist zu klein, Busse voll, Metro unmöglich, vielleicht doch mit dem Rad durch die Stadt bringen, aber wo sitzt Louis, vielleicht mit Elisa auf dem Liegetandem, aber wie lange benötige ich am Flughafen, um die Tandems transportfähig zu verpacken, schaffe ich die maximalen Transportmaße einzuhalten, hin, her, irgendwie klappt es doch immer.

Fahrräder verpacken am Flughafen Busan

Fahrräder verpacken am Flughafen Busan

Fahrrad-Montage in Taiwan

Fahrrad-Montage in Taiwan

Um die Karton-Such-Eskapade in einigen Wochen für den Rückflug von Taiwan nach Deutschland nicht wiederholen zu müssen, würde ich die Kartons gerne in Flughafennähe verstauen. Unser Airbnb-Vermieter ist mäßig kooperativ und möchte dafür über 200 Euro haben, andere Leute verstehen meine Anfrage nicht oder lehnen ab. Ich finde eine Bauruine und verstecke die Kartons darin. Vielleicht klappt's ja?

Um die Karton-Such-Eskapade in einigen Wochen für den Rückflug von Taiwan nach Deutschland nicht wiederholen zu müssen, würde ich die Kartons gerne in Flughafennähe verstauen. Unser Airbnb-Vermieter ist mäßig kooperativ und möchte dafür über 200 Euro haben, andere Leute verstehen meine Anfrage nicht oder lehnen ab. Ich finde eine Bauruine und verstecke die Kartons darin. Vielleicht klappt’s ja?

Wie viele Länder in Asien finden sich auch in Südkorea und Taiwan in nahezu jedem kleinen Dorf sogenannte Minimärkte/Convenience Stores (z.B. 7-Eleven oder Family Mart). Das Sortiment ist aber hier in Taiwan deutlich reichhaltiger: es gibt diverse Fertiggerichte, die einem direkt erwärmt werden, unzählige Sojagetränke, Nudelsuppen, warme Süßkartoffeln, “hundertjährige Eier”, und für uns wichtig: Bankautomat, Sitzplätze, Steckdosen, Toilette. Ein 7-Eleven hat eine ganz eigene Atmosphäre mit seinem klimatisierten Innenraum: Die Tür schließt sich und schneidet die Glut der Stadt ab. Eine Welle aus Stille und Kühle wäscht die Erschöpfung fort. Und wenn du gehst, schlägt die Hitze wie eine Faust zu und drückt die bleierne Last der Mittagssonne wieder auf dich nieder. Dementsprechend sind diese kleinen Läden eine für uns immer willkommene Pausenoase. Ich werde nicht bezahlt für diese Werbung.

Ein 7-Eleven-Abendessen

Ein 7-Eleven-Abendessen

Wir sind jetzt schon fünf Tage in Taiwan. Wir haben uns eingegrooved, waren in Meer und Wasserfällen baden, haben im Zelt und Hostel geschlafen und tolle Radwege entdeckt. Den Kindern gefällt es noch besser als in Südkorea.

Viel Hilfsbereitschaft auf dem Campingplatz

Viel Hilfsbereitschaft auf dem Campingplatz


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